Die Geschichte des ÖVSV
(Internationales Kuratorium QSL-COLLECTION, Postfach 2, 1112 Wien)
Ein neues Medium begeistert die Welt
Mitte der Zwanziger Jahre. Die junge Republik Österreich hat um den Preis gewaltiger
Arbeitslosigkeit eine ruinöse Inflation eben erst überstanden. Aus England und den USA, zuletzt
auch aus Deutschland und ganz Zentraleuropa kommt ein neues Medium: das "Broadcasting". Es
verspricht Möglichkeiten, die das Grammophon und der Stummfilm nicht bieten können. Allerdings ist
es auch eine Geheimwissenschaft, und die staatlichen Stellen verfolgen die neue Entwicklung mit
Misstrauen, droht sie doch, das zivile und militärische Nachrichtenmonopol zu gefährden. Der
Satiriker Karl Kraus begrüßt die Radiotelefonie in „Der Fackel“ mit dem Spottvers: "Großes Heil ist
der Welt erflossen: / Der Hausmeister an den Kosmos angeschlossen!"
In der Tat erkennt nicht nur die sozialdemokratische Bildungsbewegung das Potenzial des Radios
und gründet den "Arbeiter-Radiobund Österreichs", sofort entstehen auch als politische
Gegenreaktion andere Vereinigungen, so etwa der „Österreichische Radiobund“ als "Vereinigung aller
deutsch-christlichen nicht-marxistischen Radioamateure", der politisch ungebundene "Internationale
Radio-Klub" und viele weitere. Sie schließen sich zu zwei Dachorganisationen zusammen, dem „Verband
des österreichischen Radioklubs“ und der "Zentrale des freien Radiobundes" – jeweils geschart um
eine der beiden Publikationen, die sich nach dem Gründungsboom einer „Österreichischen
Radio-Zeitung“ und einer „Radio-Rundschau für alle“ durchsetzen konnten: dem „Österreichischen
Radio Amateur“ und der "Radiowelt". Bis in diese Gründungen schlägt das Konkurrenzdenken der
ehemaligen k.u.k. Telegraphen-Specialitäten durch: die Rivalität von Heer und Marine.
Rundfunk und Amateurfunk gehen getrennte Wege
Zunächst ist jeder, der sich in irgendeiner Weise mit dem neuen Steckenpferd beschäftigt,
"Radioamateur", und es bedarf einer ganzen Reihe neuer Wortschöpfungen, ehe aus z.B.
"gebroadcastet" "gesendet" wird.
Zwei Ereignisse treiben die Entwicklung voran. Der Unternehmer Dr. Oskar Czeja und sein
Kompagnon Nissl von der "Vereinigten Telephon- und Telegraphenfabriks- AG" bewerben sich um die
Konzession für einen österreichischen Telegrafendienst. Aber da hat längst die "Marconi’s Wireless
Telegraph Company" die Hand im Spiel. Ein Ansuchen liegt bereits aus dem Jahr 1914 vor, und mit
tatkräftiger Unterstützung ehemaliger Marinefunker, allen voran Ingenieur Kapitän Franz Leist, wird
die „Radio Austria AG“ mit ihren Stationen Laaerberg und Deutsch-Altenburg gegründet. Czeja wird
eingeladen, sich stattdessen um eine Radiokonzession zu bewerben. Die Firma hatte schon am 1. Juli
1923 mit „Radio-Hekaphon“ getestet und schlägt nun eine "Österreichische Broadcasting-Gesellschaft
Austria-Vox" vor, die schließlich als "Radioverkehrs AG – RAVAG" am 1. Oktober 1924 den Betrieb
aufnimmt. Nun müssen die Behörden die gesetzlichen Bestimmungen novellieren, die noch auf einem
Hofkanzleidekret vom 25. Januar 1847 fußen und im Telegraphengesetz vom 18. Juli 1924 (Nummer 263)
und vier Telegraphenverordnungen des Bundesministeriums für Handel und Verkehr (Nummer 333, 346,
352 und 353) den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden. Mit Bundesgesetzblatt vom 18. Dezember
1925 (Nummer 435) wird die erste Telegraphenverordnung novelliert, und mit 1. Januar 1926 ist es
möglich, wesentliche Bestandteile für Radios ohne Ausweis und Vormerkung beim Händler zu
erwerben.
Gesendet werden darf aber noch nicht. Auf diesen Umstand bezieht sich das zweite einschneidende
Ereignis. Für den 14. bis 18. April 1925 wird nach Paris der "Erste Internationale Radio-Amateur-
Kongress" einberufen. An ihm nehmen auch zwei österreichische Vertreter teil: Die "Radiowoche"
entsendet ihren Redakteur Ing. Paul J. Gordon-Fischel, die „Radiowelt“ delegiert als „Chefredakteur“
(der er nicht war) Armand Ladanyi. Ursprünglich als Vereinigung aller "Radio-Amateure" gedacht,
entsteht unter massivem Druck einer Fraktion rund um die ARRL die "International Amateur Radio
Union - IARU" als "Organisation ausschließlich für wechselseitige Verbindung und den
wechselseitigen Verkehr zwischen den Radio-Amateuren". Zudem ist für jedes Mitgliedsland nur „eine
autonome nationale Sektion“ vorgesehen.
Anderle erkennt die Gunst der Stunde: Wenn er jetzt die Initiative ergreift, sichert er sich das
Primat am Zeitschriftenmarkt und kann zwei persönliche Ziele erreichen: Einflussnahme durch den
Radiobeirat auf die Programmgestaltung der RAVAG und Federführung bei der Schaffung einer
Studiensenderverordnung.
Der ÖVSV wird gegründet
Anderle beruft für den 30. Juli 1925 ein Aktionskomitee ein, dessen Leitung er dem
Vizepräsidenten des Verbands der österreichischen Radioklubs und Präsident des ÖRK Wien, Ing. F. H.
Hofmann, überträgt. Damit ist die Teilnahme aller Vereinigungen am Proponentenkomitee gesichert. Am
23. Oktober 1925 trifft man sich um 18.00 Uhr im Klubsaal des Hotel de France. In diesem Wiener
Nobelhotel an der Ringstraße (Schottenring 3) veranstaltet der „Internationale Radioklub“ seine
Vereinsabende: Er betreut vorwiegend betuchte und beruflich mit dem Funk beschäftigte
Interessenten. (Übrigens: Der Klubsaal existiert nicht mehr; das Hotel war 1945 – 1955 Sitz der
französischen Besatzungsmacht.)
Die Satzung wird verlesen und nach kurzer, lebhafter Debatte angenommen:
"Der Zweck des Verbandes ist, alle Freunde des Versuchssenders in eine einheitliche
Organisation zu vereinigen. Der Verein ist nicht politisch. Die Tätigkeit des Verbandes erstreckt
sich auf die Förderung des Versuchssendewesens ... und die Herstellung von Verbindungen mit in- und
ausländischen Radiovereinigungen."
Vorsitzender: Oberst Ing. Franz Anderle
Stellvertreter: Gustav Walter (Redakteur der „Radiowelt“, Verwaltungsrat RAVAG) und Ing. F.
H. Hofmann (Vizepräsident des Dachverbandes)
Schriftführer: Ing. Adler; Stellvertreter: Georg Roth
Rechnungsführer: stud. chem. Hartl
Beisitzer: Adalbert Seba, Dr. Armand Ladanyi (Redakteur der „Radiowelt“), Josef Stubenberg,
Dr. Josef Székely
Rechnungsprüfer: Prof. Reintsch, Viktor Deubert
Technische Gruppe: Ing. Gèza Suborits (Österreichischer Radioklub, Radiobeirat), Ing. Paul
Bellak (RAVAG), Ing. Felix Meixner, Ing. Heinrich Halberstadt, Ing. Josip Sliškovic
(Internationaler Radio-Klub, Chefkonstrukteur bei Kapsch), Ing. Otto Körnei, Ing. Schwarz, Ing.
Jobst, Julius Zandra (Oberst beim Bundesheer, wirkl. Hofrat), Ramberger.
Fünf dieser Proponenten sind Mitglieder des Beirats der RAVAG; um auch die künftige Tätigkeit in
den Bundesländern einzubinden, werden Dir. Wudia (Graz), Anton Truger (Burgenland) eingeladen.
(Bezeichnend ist, dass keiner der Proponenten später ein Amateur-Rufzeichen erwirbt.) Als
Verbandszeitschrift soll die "Radiowelt" dienen; Verbandssitz ist das Hotel de France.
Die Behörden lassen sich Zeit. Nach der endlich erfolgten Anerkennung der Statuten tritt am
Mittwoch, dem 7. April 1926, um 18.00 Uhr, wieder im Klubsaal des Hotels de France, die
Konstituierende Generalversammlung des ÖVSV zusammen.
Der neu gewählte Vorstand besteht aus folgenden Funktionären:
Ehrenpräsident: Hofrat Dr. Max Reithoffer (TH Wien)
Präsident: Oberst Ing. Franz Anderle („Radiowelt“)
Vizepräsidenten: Ing. Medinger, Ing. F. H. Hofmann
Schriftführer: Major E. Wettendorfer, R. Adler
Rechnungsführer: stud. chem. Hartl
Beisitzer: Frau Dr. Rosa Nouack-Horsky (Konstrukteurin Radiowerk Berliner), Ing. Brückner,
Ing. Heinrich Halberstadt, Ing. Otto Körnei, Ing. Kutschera (Graz), Dr. Armand Ladanyi, Reg. Rat
Dr. Mayer (Klagenfurt), Ing. Josip Sliškovic, Ing. Géza Suborits
Detail am Rande: Keiner der Proponenten und nur ein Mitglied des Gründungsvorstands (Ing. Josip
Sliškovic EASV) wird später als Sendeamateur tätig.
(Übrigens: Im Staatsarchiv findet sich beim gegenständlichen Akt ein Vermerk, dass das
gesamte Konvolut von der sowjetischen Besatzungsmacht nach 1945 nach Moskau transferiert
wurde.)
Auf dem Weg zur Studiensenderverordnung
Bereits am 13. März 1925 liegt dem Radiobeirat ein Antrag zur „Erlassung einer
Studiensenderverordnung“ vor. "Radiowelt"-Redakteur Gustav Walter schlägt vor, die Post möge im
Einvernehmen mit dem Radiobeirat und Vertretern der Amateurvereine Bedingungen für die Erteilung
der Sendeerlaubnis schaffen. Dazu wird ein Unterausschuss unter Vorsitz von Julius Nowotny
(ebenfalls Redakteur der "Radiowelt") geschaffen. Er tagt am 5., 22., und 25. Mai. Bei der letzten
Sitzung wird ein Redaktionskomitee (Dr. Schleyer, Ing. Hofmann, Gustav Walter, Ing. R. Wenzl)
beauftragt, einen Entwurf für die Prüfungsvorschrift zu erarbeiten. Dieser wird am 3. Juli 1925 dem
Radiobeirat vorgelegt. Die Generalpostdirektion in Wien lässt sich jedoch Zeit. Zunächst will man
die Bestimmungen mit jenen in Deutschland akkordieren. Dort gibt am 1. September die Deutsche
Reichspost vorerst alle Wellenbereiche frei. Dann besteht der federführende Senatsrat Dr. Matz
darauf, die Beschlüsse der Fernmeldekonferenz von Washington im März 1927 abzuwarten. Endlich tritt
mit der 366. Verordnung des Bundesministeriums für Handel und Verkehr vom 27. Dezember 1928 per 1.
Jänner 1929 die Studiensenderverordnung in Kraft. Das Post- und Telegraphenverordnungsblatt Nr. 32
vom 26. Mai 1929 enthält den Erlass mit den Erläuterungen dazu und die Vorschriften für die
"Befähigungsprüfung". Die ersten "Berechtigungsscheine" werden am 25. Jänner 1930 ausgestellt. Die
Höchstenergie ist mit 50 Watt Anodenleistung festgesetzt, wofür eine Jahresgebühr von 100 Schilling
zu bezahlen ist; für 10 Watt Maximalenergie kostet die Lizenz nur 50 Schilling. Telefonieversuche
sind gestattet. Der Besitz eines amtlich geeichten Wellenmessers (Absorptionskreis) mit 5%
Genauigkeit muss nachgewiesen werden.
Von AUX zu OE – die Rufzeichenbildung
Da es noch keine internationale Regelung gibt, schlägt Anderle zunächst in der „Radiowelt“ eine
Rufzeichenbildung und Registrierung vor, die als Landeskenner AUX vorsieht (U für:
Austria/Autriche, X für: Experimental), gefolgt vom Anfangsbuchstaben des Familiennamens und einer
laufenden Zahl. Zwölf Stationen werden registriert: AUX A1, B2, H3, S4, ST5. K6, A7, H8, V9, R10,
W11 und D12 (Ing. Franz Dirks).
Am 1. September 1925 wird der Landeskenner auf Ö geändert. Von ÖAA bis ÖWM sind 37 Sendeamateure
bekannt, u.a.: ÖAA Josef Fuchs (der Entwickler der Fuchs-Antenne),ÖAB J. Rauscher, ÖHW Ernst
Fegerl, ÖKL Willy Blaschek (seine erste Erwähnung!), ÖRG Steirischer Radioclub, ÖMM Erwin Heitler
(auch er hier erstmals genannt) usw.
Vom 1. März 1927 bis zum 31. Januar 1929 gibt es die „Intermediates“: Österreich erhält EA
zugeteilt (E für: Europe, A für: Austria). Insgesamt werden 134 Rufzeichen erteilt, darunter auch
die „behördlichen“: L. Jenny und R. Haas haben Polizei, Gendarmerie und Feuerwehr mit einem
Funknetz versorgt, die Technische Hochschule sendet als ETH, „Radio Austria“ als OHK.
Vom 1. Februar 1929 bis 31. Dezember 1933 gilt nach den Bestimmungen der Madrider
Wellenkonferenz der Landeskenner UO, zunächst unlis ohne Bundesländer-Kennzahl (217 Rufzeichen),
dann mit UO1 und 2 für Wien, UO3 für Niederösterreich, UO5 für Oberösterreich und Salzburg, UO6 für
die Steiermark und UO8 für Kärnten. In anderen Bundesländern gibt es zunächst keine
Berechtigungsscheine, insgesamt werden 47 Lizenzen erteilt.
Am 1. Januar 1934 wird der Landeskenner OE eingeführt; mit den Ziffern OE1 und OE2 für Wien, OE3
für Niederösterreich, OE4 für das Burgenland, OE5 für Oberösterreich und Salzburg, OE6 für die
Steiermark, OE7 für Tirol und Vorarlberg und OE8 für Kärnten. 1934: 136 Mitglieder, davon 31 mit
Lizenz; 1936: 178 Mitglieder, davon 42 mit Lizenz; 1937: 195 Mitglieder.
Die QSL-Vermittlung ist nicht einfach, nicht nur weil sie zunächst "inoffiziell" erfolgen muss.
Die "Radiowelt" vermittelt - ebenso wie die ARRL, der DASD und der tschechische Radioklub, je
nachdem, wo man Mitglied ist. Um die Situation zu vereinheitlichen, beschließt eine
Außerordentliche Generalversammlung am 21. Juni 1929, einer Einladung des "Deutschen Amateursende-
und Empfangsdienstes" Folge zu leisten und geschlossen dem DASD als Landesgruppe 16 beizutreten.
Gruppenverkehrsleiter wird Josef Fuchs, UOAA, DE1004; ÖVSV-Präsident Oberst Anderle wird als DE1005
zum Ehrenmitglied ernannt.
Nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland am 30. Januar 1933 wird die enge Bindung an den
DASD beendet. In der Reihenfolge der bislang erteilten DE-Nummern gibt es nun dreistellige
OE-Nummern.
Stichworte zur Entwicklung bis 1938
1927
19./20. März: In Kassel schließen sich DED und DSD zum DASD zusammen.
Der „Kärntner Radioclub“ mit Ortsstellen in Klagenfurt und Villach schließt sich dem ÖVSV an.
23. April: Die Generalversammlung des ÖVSV beschließt, sich von nun an ASIARU (Austrian
Section of IARU) zu nennen.
1929
8. Februar: Hauptversammlung; Beschluss, an den DASD wegen enger Kooperation heranzutreten.
18./19. Mai: 5. Deutsche Kurzwellen-Tagung in Frankfurt. Der geplante ÖVSV-Beitritt wird zur
Kenntnis genommen.
21. Juni: Außerordentliche Hauptversammlung; Beschluss zum DASD-Beitritt.
1931
18. Juni und 10. Oktober: Hauptversammlungen.
1932
Wechsel an der Spitze: Die Hauptversammlung wählt UO1CM Carl Martin zum neuen Präsidenten.
Ing. Franz Anderle wird Ehrenpräsident. Das Klublokal im Hotel de France wird zu teuer; der ÖVSV
übersiedelt nach Wien IX, Sensengasse 3.
Das Klubsekretariat wird in die Wohnung von Willy Blaschek, UO3WB nach Klosterneuburg,
Bahngasse 29, verlegt.
1933
Lösung der Bindung mit dem DASD.
Der ÖVSV wird, zur Aufwertung der Mitglieder in den Bundesländern, in zwei Landesgruppen
gegliedert:
LG-Leiter I: Dr. Hans Haider, Langenlois OE022, DE1126
LG-Leiter II: Rudolf Weiland, Graz UO6WR, OE018, DE1101
1934
Freigabe des 80m-Bandes (bisher nur A1 auf 7.025-7.225 und 14.100-14.300)
Während der Kampfhandlungen im Februar und Juli vorübergehend Sendeverbot.
20. Dezember: Verleihung des ÖVSV-Senderabzeichens an Erzherzog Anton Habsburg OE3AH.
22. Dezember: Hauptversammlung. Dr. Otto Burkard OE050 neuer LGL II.
1935
Experimente auf 10m.
16. Januar: Verleihung des ÖVSV-Senderabzeichens an Ing. Otto Kermauner OE6OK.
7. Februar: Antrag an die IARU um Aufnahme.
21. Dezember: Hauptversammlung. Verleihung des Verbandsabzeichens (früher: Senderabzeichens)
an Leonhard Frohn OE001.
1936
3. Januar: Aufnahme des ÖVSV in die IARU.
Erstes Fone-WAC in OE (an OE1CM)
22. September: Eröffnung des neuen Klubheims in Wien III, Beatrixgasse 15 (Haus des Österr.
Pfadfinderinnenbundes, dessen Präsidentin die Gattin von OE3AH ist)
Die 56MHz-Lizenzen werden eingezogen.
Verleihung des Verdienstabzeichens an Ing. Max Petz OE6MP, OE076, DE1777.
22. Dezember: Hauptversammlung. Im klerikal-faschistischen Ständestaat mit seiner
restaurativen Tendenz erscheint es angebracht, die Zukunft des ÖVSV durch einen Wechsel an der
Spitze zu sichern. Carl Martin OE1CM ist als ausgewiesener Sozialdemokrat nicht mehr "tragbar",
wird aber 1. Vizepräsident. Neuer Präsident: Erzherzog Anton OE3AH, 2. Vizepräsident: Major
Heinrich Kopper OE033. – Landesgrup- pen nun: OE6 (LGL Dr. Otto Burkard OE6OB) und Krems (LGL
Franz Schedl OE117).
1937
12.-17. Juli: 1. Internationaler Kongress für Kurzwellen in Wien.
Verleihung des Verdienstabzeichens an Eduard Jäger OE7EJ und Rittmeister a.D. Max Beck OE151.
21. Dezember: Hauptversammlung. Rücktritt von Carl Martin OE1CM. Präsident: Erzherzog Anton
OE3AH, 1. Vizepräsident: Major Heinrich Kopper OE033, 2. Vizepräsident: Josef Fuchs OE1JF. Einzige
Landesgruppe: OE6.
Erwin Heitler OE1ER und Willy Blaschek OE3WB werden Deutsche Sendemeister, DSM.
1938
19. Januar: 1. WAS-Diplom in Europa an OE3AH.
Februar: Letzte Ausgabe der Klubzeitschrift OEM (die 1934 die deutsche "CQ" abgelöst
hat).
1938: Das Ende des ÖVSV
Am 13. März 1938 erfolgt der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Um einer
Zwangsauflösung zuvorzukommen, gibt Klubsekretär Willy Blaschek bereits am 12. März ein
Rundschreiben heraus:
"Kameraden! Zu tiefst ergriffen rufe ich Euch zu: Ein Volk, ein Reich, ein Führer! In diesem
Sinne erachte ich es als eine Selbstverständlichkeit, daß wir uns dem großen Bruderverband DASD als
Landesverband Deutschösterreich eingliedern und die hiezu erforderlichen Schritte sofort einleiten
... Ich erachte es nicht als notwendig, einen Rechenschaftsbericht über all mein Handeln, welches
im einzigen Interesse der Erhaltung des Österreichischen Amateursende- und Empfangswesen als alter
Nationalsozialist abzulegen, das ergibt sich ohnehin von selbst. ... Heil Hitler!"
Und am 18. März wird in einem weiteren Rundschreiben die vorläufige mit dem DASD abgestimmte
"Richtlinie" verlautbart:
"3. Als Mitglieder des DASD kommen nur solche Volksgenossen in Frage, die die
nationalsozialistische Weltanschauung bejahen. Unbedingte politische Zuverlässigkeit ist im
Deutschen Reich die erste und wichtigste Voraussetzung für den Besitz der Sendelizenz.
4. Nichtarier können nicht Mitglied des DASD sein. Unter Nichtarier rechnet auch, wer von
einem Großelternteil her nichtarisches Blut oder einen nicht arischen Ehepartner besitzt.
5. Im Sinne der Punkte 3 und 4 wird allen ÖVSV-Mitgliedern, die diesen Bedingungen nicht
genügen, nahegelegt, schon jetzt ihren Austritt aus dem ÖVSV anzumelden.
6. Der DASD wird nach dem Führerprinzip geleitet.
... Ein Volk, ein Reich, ein Führer! Heil Hitler. Der Präsident: Erzherzog Anton e.h., Josef
Fuchs e.h. Vizepräsident, Willy Blaschek Sekretär, Pg Franz Schmidt."
Am 24. April gibt eine Außerordentliche Hauptversammlung die formale Bestätigung für diese
Maßnahmen. Die Weichen für die neue Lösung werden bei der Kurzwellentagung in Eisenach am 28. Mai
1938 gestellt, an der Erzherzog Anton, Willy Blaschek und Dipl. Ing. Erich Lippert teilnehmen.
Die vorgezogene Loyalitätserklärung bringt nur einen Teilerfolg. Weder Erzherzog Anton noch
Willy Blaschek werden in der neuen Struktur das Sagen haben. Sie können nur noch zwei bewährte
österreichische Amateure vorschlagen, die den nunmehrigen Voraussetzungen genügen.
Prompt reagiert hat man längst in Berlin. Die April-Ausgabe der "CQ" enthält folgenden
Aufruf:
"An unsere Kameraden in Österreich: Kameraden! Nachdem unter der starken Hand unseres geliebten
Führers Adolf Hitler unsere Brüder im deutschen Österreich in das Reich zurück gefunden haben, ist
auch der ÖVSV im DASD aufgegangen. ... Unsere ganze gemeinsame Arbeit allein für Deutschland. ...
gez. Gebhardt, Präsident des DASD, Berlin, den 13. März 1938"
1938–1945: "Alpenlande“ und „Donaulande"
Nur für wenige Tage ist Erzherzog Anton OE3AH „kommissarischer Leiter“. Es werden zwei
Landesverbände eingerichtet:
Der Landesverband "Alpenlande" (W) umfasst "das eigentliche Gebiet der Alpen, also
Steiermark, Kärnten, Osttirol und südliches Burgenland (jetzt Gauland Steiermark) einerseits und
Nordtirol, Vorarlberg andererseits." – Zum Landesverband "Donaulande" (S) gehören Wien,
Niederösterreich (jetzt Niederdonau), Oberösterreich (jetzt Oberdonau), und Salzburg.
Als man in Berlin die sinnlose Zerstückelung des LV W erkennt, wird ihm im Dezember 1938 auch
"der Gau Salzburg" zugeschlagen.
Zuerst werden kommissarische LV-Führer eingesetzt: In Wien Dr. Hans Haider OE022, DE1126, und in
Graz Dr. Otto Burkard OE050, DE1479. Wenig später erfolgt die definitive Einsetzung von Dipl. Ing.
Erich Lippert DE1086, zum LV-Führer S und Dr. techn. Dipl. Ing. Otto Kermauner DE1096, zum
LV-Führer W.
Mit Amtsblatt des Reichspostministeriums vom 12. Januar 1939, Nummer 5, wird eine neue Fassung
der "Verordnung über Sender für Funkfreunde" des Reichspostministers vom 9. Januar 1939
verlautbart. Daraufhin erhalten Sendegenehmigungen für 15 Watt auf 80 und 10m: Carl Martin D4UAS,
Ing. Max Petz D4UBS, Franz Schedl D4UCS, Dipl. Kfm. Gottfried Humhej D4UES, Johann Zadra D4UFS, und
Ing. Karl Heinrich D4UGS. Alle anderen bisherigen Sendegenehmigungen erlöschen, die Geräte werden
von der SS eingezogen.
Am 1. September 1939 werden durch die Reichspostdirektion sämtliche 529
Amateurfunk-Sendegenehmigungen im Großdeutschen Reich zurückgezogen, wird der sofortige
entschädigungslose Einzug aller Amateurfunkgeräte verfügt.
Landesverband W – „Alpenlande“
Der Landesverband W hat ca. 40 Mitglieder in Ortsverbänden, die zum Teil nur auf dem Papier
bestehen (Graz, Leoben, Innsbruck, Kärnten, Obersteiermark, Vorarlberg-Hohenems, Salzburg). Die
einzige Verbindung erfolgt über die Rundschreiben. Erst 1940 erhält der Funkbetriebsleiter, Mag.
Oskar Petrasch, eine Lizenz als D4UJW für den Betriebsdienst. Alle Mitglieder werden verpflichtet,
am BD teilzunehmen, der am 10. November 1940 aufgenommen wird, und ihre Empfangslogs regelmäßig via
LV nach Berlin einzusenden – eine Aufgabe, die man offenbar nur widerwillig und nachlässig erfüllt,
wie die vielen Ermahnungen in den Rundbriefen verraten. Ab März 1940 werden vom Oberkommando der
Wehrmacht insgesamt 50 Kriegsfunk-Sendegenehmigungen erteilt. 1942 erhält LVF Kermauner das
Rufzeichen D4BXW. Eine weitere Genehmigung geht an Karl Doppelhofer D4DOW.
Probleme hat man zunehmend mit Schwarzfunkern. LVF Dr. Kermauner im Nachrichtenblatt Nr. XII/6
vom Dezember 1941:
"Wenn es nun schon bestimmt ist, daß der eine oder andere an der Heimatfront verbleiben muß u.
nicht als Soldat kämpfen darf so ist der kein Mann der nicht soviel Willen aufbringt seine
Leidenschaft zu senderseitigen Versuchen im Zaume zu halten. Kreaturen die ihre Passionen höher als
das große Zeitgeschehen stellen wird man zu finden u. vernichten wissen."
LV Tagungen finden statt 1941 in Salzburg, am 22. und 23. Mai 1942 in Graz, am 16. März und 13.
November 1943 in Innsbruck.
Bezeichnend für die Situation ist der Bericht über die Grazer Tagung im Nachrichtenblatt
III/2 und 3 vom Juli 1942:
"Wenn man berücksichtigt daß bei einem Gesammt Mitgliederstand von 67 Mitgliedern sich 34 bei
der Wehrmacht befinden so kann mit insgesammt 30 Personen von einer fast 100%igen Teilnahme
gesprochen werden. ... In seinem Rechenschafts- bericht zeigte der LVF, wie grenzenlos die
Enttäuschung der Kameraden der Landesgruppe Steiermark vom Anschluß bis zu Beginn des Krieges war.
... Die Erbitterung auf der einen u. die Indolenz u. vor allem Unfähigkeit auf der anderen Seite
brachte bis Kriegsausbruch fast einen vollkommenen Zerfall. ... Dr. Kermauner bewies eindeutig daß
die damalige Leitung durch ihre absolute Unfähigkeit einen Schaden anrichtete, der nun erst in
angestrengtester zweijähriger Arbeit erst zum Teil wieder gut gemacht werden konnte. Auf Grund
einiger Zahlen konnte der LVF aber auch beweisen, daß seit der Übernahme der Präsidentschaft durch
SS-Gruppenführer Sachs nicht nur ein sofortiger Stillstand in diesem Sturtz eingetreten ist,
sondern das sich eine kräftige Aufwärtsbewegung bemerkbar macht."
Präsident Sachs, mit Begleitung auf Inspektionstour in den Landesverbänden S und W, nimmt das
Lob erfreut entgegen.
Bei der Tagung in Innsbruck erhalten einige Auserwählte eine „ten“-Lizenz für den Betrieb auf
10m: Walter Gölles D3JOW, Josef Vollath D3JSW, Josef März D3JUW, Ing. Erich Klenert D3JWW und
Julius Helldoppler D3JXW.
Landesverband S – "Donaulande"
Der Landesverband S hat zunächst 71 Mitglieder, von denen bei der Gründung 34 DE-Nummern
besitzen. Seine Tätigkeit beschränkt sich fast ausschließlich auf Wien, wo man im 20. Bezirk im
Gebäude des Nordwestbahnhofs ein Verbandsheim eingerichtet hat. Ortsverbände gibt es in Linz, Krems
und Wiener Neustadt. Carl Martin D4UAS meldet sich regelmäßig mit Eichsendungen und ab 10. Oktober
1941 mit einem Betriebsdienst.
Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt bei einem dichten Vortragsprogramm und regelmäßigen Morse-
und DE-Kursen im Verbandsheim.
Aus dem Nachrichtenblatt V/3-4/1942:
"Hiemit wird folgendes verfügt: Alle Kameraden die vor dem 1. November 1941 eingetreten sind
müssen bis spätestens 1. Mai 1942 zur DE-Prüfung antreten. Alle nach dem 1.Nov.1941 eingetretenen
Mitglieder haben ihre DE-Prüfung spätestens 6 Monate nach ihrem Eintritt abzulegen. Kameraden die
diesen Bedingungen nicht entsprechen werden rücksichtslos aus dem DASD gestrichen. HJ-Angehörige
können nicht ansuchen, da der DASD-Dienst lt. Vereinbarung mit d. Reichsjugendführung als HJ-Dienst
gilt!!! Ausgenommen von dieser Regelung sind, bei der Wehrmacht oder im RAD stehende
Kameraden!!"
Anlässlich der Inspektionsreise des DASD-Präsidenten Sachs findet am 27. und 28. Mai 1942 die 1.
LV-Versammlung statt.
Im Oktober 1942 endet für den "Technischen Reichsangestellten" Willy Blaschek die Quarantäne.
Er wird mit seiner seinerzeitigen DE-Nummer 889S "rückwirkend als Mitglied" aufgenommen.
Zum Jahreswechsel 1942/43 verliert der Landesverband sein Klubheim. Man findet ein neues Lokal
in Wien XII, Strohberggasse 6: Ein Kohlenkeller, mit niedrigen Fenstern zum Gehsteig. Ein finsteres
Loch, das mit großem Aufwand renoviert wird – Josef Safka, langjähriger Heimwart, übernimmt auch
diese Aufgabe. An der ersten DE-Prüfung im neuen Lokal nehmen 30 OMs teil!
Zitat aus dem Nachrichtenblatt V/11-12/1942:
"Hart und ernst ist der Kampf, der uns vom haßerfüllten Weltjudentum aufgezwungen wurde. Jeder
von uns weiß, daß es um Sein oder Nichtsein geht! Aber ebenso wissen wir alle, daß wir siegen
müssen und werden!"
Als die Kriegsfunkgenehmigungen erteilt werden, fallen für den LVS folgende Rufzeichen ab: D4AZS
Dipl. Ing. Erich Lippert (Mitbenützer DEM7170 Olga Lippert), D4ODS Josef Ramsauer und D3HZF Franz
Kardasch. "ten"-Lizenzen für 10m gehen an: D3JIS Josef Safka, D3JKS Karl Götz, D3JLS Karl Nemecek,
D3JMS Ludwig Ellinger und D3JNS Siegfried Herburger.
Gegen Kriegsende nimmt die Tätigkeit rapide ab, es werden nicht einmal mehr Not-DE-Nummern
ausgegeben (= ohne Forderung nach Frequenzmessern und anderen Geräten).
Die letzte und höchste in der "Ostmark" ausgegebene DE-Nummer erhielt Dipl. Ing. Kurt Herkner in
Wels (nachmals OE5KKL) als DE7369.
1945: Neubeginn aus den Trümmern
Man muss nicht erst fragen: Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes gibt es auch den DASD nicht
mehr. Die eben erst ausgerufene Zweite Republik besteht zunächst nur auf dem Papier. Die vier
alliierten Besatzungsmächte haben andere Sorgen als sich um die Anliegen versprengter Hobbyfunker
zu kümmern. Man muss nicht erst fragen: Amateur ist vorerst verboten.
Dennoch ist es den Daheimgebliebenen und den ersten Rückkehrern aus der Gefangenschaft klar,
dass der ÖVSV wieder erstehen muss.
Schon am 15. August 1945 findet in der Wohnung Carl Martins OE1CM ein erstes Treffen statt,
mit den Teilnehmern: Erwin Heitler OE1ER, Willy Blaschek OE3WB, Ing. Emanuel Strunz OE1ES, Franz
Polacek OE1FP und Josef Safka OE1SJ. Carl Martin ist während des Kriegs als Geschäftsmann via
Spanien mit den Amerikanern in Verbindung geblieben. Er soll die Initiative ergreifen, stirbt aber
kurz darauf an einem Herzinfarkt. Die verbleibende Gruppe, ab Oktober 1945 verstärkt durch Karl
Waniek OE1KW, interveniert hartnäckig im Innenministerium bei der Vereinsbehörde. Willy Blaschek
ist der zäheste Verhandler; er knüpft auch wertvolle Kontakte zur sowjetischen Besatzungsmacht.
Dann der Erfolg:
"Gemäß Bescheid des Bundesministeriums für Inneres, Generaldirektion für die öffentliche
Sicherheit vom 4. 1. 1946 kann der ÖVSV seine Tätigkeit gemäß § 5 Abs. 1 des
Vereinsorganisationsgesetzes in der Form, in der er sich vor der Einstellung seiner Tätigkeit und
Eingliederung befunden hat, wieder beginnen."
Die Außerordentliche Hauptversammlung zur Wiedergründung findet am Samstag, dem 11. Mai 1946 im
Vorführraum des „Klubs der Kino-Amateure Österreichs“ in Wien VII, Neubaugasse 36 statt. Rund 40
Teilnehmer kommen und wählen den ersten Vorstand mit Erwin Heitler OE1ER als Präsidenten, Hans
Wieder OE2HW als Vizepräsidenten und Willy Blaschek OE3WB als Verbandssekretär. Da noch keine
geeigneten Räume zur Verfügung stehen – das Klubheim in der Strohberggasse liegt in Trümmern – wird
das Sekretariat in der Wohnung Willy Blascheks in Klosterneuburg eingerichtet – mittlerweile in der
Kierlingerstrasse 10, weil der frühere Wohnsitz durch einen Bombenvolltreffer zerstört wurde.
Weitere Vorstandsmitglieder: Karl Höfner OE3OE, Josef Safka OE1SJ, Jakob Stefan OE5SN, Arthur
Taucher OE3AT, Herbert Machytka OE-176, Heinrich Steinböck OE6HS, Karl Waniek OE1KW und Erich
Bawart OE9BE. Die Vereinsmitteilungen werden in der Zeitschrift "Radiotechnik" veröffentlicht – sie
ist der Nachfolger des "Radio-Amateur", dem Konkurrenzblatt, das vor dem Krieg stets hinter der
"Radiowelt" (die es nun nicht mehr gibt) hatte zurückstehen müssen.
Die wichtigsten Aufgaben der ersten Monate: Die Renovierung des Vereinslokals, damit dort wieder
Kurse abgehalten werden können; die Beschaffung von Geräten und Ersatzteilen – und vor allem die
Erreichung der Aufhebung des Sendeverbots durch die Allierten. Der Funkladen von OM Heitler (dem
legendären "Mann im weißen Mantel") wird zur Schatzgrube: Geräte der Wehrmacht, "Überbleibsel" von
der allierten Kampfhandlungen und erste Importe gehen hier über den Ladentisch.
Brave Hörer und böse Piraten – der "doppelte" ÖVSV
Die Verhandlungen mit den Alliierten ziehen sich endlos dahin. Die Amerikaner, Briten und
Franzosen scheren sich wenig um die Spinner. Lizenzierte Soldaten der Besatzungsmächte sind mit
eigenen Rufzeichen aktiv: die Amerikaner mit OE13, die Briten mit ihrem Universal-Rufzeichen MB9,
die Franzosen mit FKS8. (An dieser Stelle sei eine besondere Rarität vorgeführt: Die britischen
Kampftruppen verfügten nach der Invasion während des Vormarsches in Europa über ein eigenes
Funknetz im Amateurfunk-Bereich – Rufzeichen XA. Aus Zeltweg meldete sich W. Cook als XAEU.)
Schwierigkeiten gibt es – so gut wie ausschließlich – mit der sowjetischen Besatzungsmacht (deren
lizenzierte Ange- hörige als Einzige nicht in Österreich senden dürfen). Wiederholt werden die
Vorstandsmitglieder in die Kommandantur im Wiener Hotel Imperial befohlen, streng verhört, der
Spionage bezichtigt, oder sonst wie eingeschüchtert.
Mittlerweile wird in Deutschland mehr oder weniger legal gefunkt, und nach vereinzelter
"Undercover"-Tätigkeit schon 1947 wird ab 1. Mai 1948 in gemeinsamer Aktion illegal gesendet,
hauptsächlich in CW auf 10 und 20m. Während der ÖVSV nach außen hin unverändert als reiner
Hörerverband auftritt, registriert OM Blaschek insgeheim die unlis-Rufzeichen.
Den Anfang machen Karl Waniek als OE1AW, OM Slamal als OE1AD und Josef Safka als OE1AS. Zum
Jahresende 1948 stehen 51 OMs auf der Liste, 1952 sind es bereits rund 200. Die Gegenstationen
reagieren unterschiedlich auf das Auftauchen von OE-Rufzeichen. Die QSL-Vermittlung erfolgt auf
mehreren Schmuggelpfaden. PA0BK leitet die Karten über OM Hans Wieder via Salzburg weiter; Helen
Morse W2WFR und ihr OM vermitteln nach Braunau zum dortigen Leiter der Finanzkasse, der ein Freund
von OM Karl Waniek ist, bis ihn Arthur Miles G2MI ablöst. Bis zur Aufhebung der Postzensur besorgen
Schlafwagenschaffner die Kurierdienste.
Die Kommunikation untereinander wird ebenfalls verbessert. Die gelegentlich in der
Zeitschrift "Radiotechnik" veröffentlichten Mitteilungen werden abgelöst durch das Wiedererscheinen
der "OEM" im Juli 1950.
1953 hat der ÖVSV bereits 530 Mitglieder in 18 Ortsstellen. Und als endlich die Legalisierung in
greifbare Nähe rückt, müssen ausgerechnet die Verbandsfunktionäre bremsend eingreifen: die Briten
stellen in ihrer Zone die B-Gendarmerie auf, die Keimzelle des späteren Bundesheers. In diesem
Zusammenhang versprechen sie den Österreichern MB9-Rufzeichen. Die Postverwaltung wendet sich an
den ÖVSV mit der dringenden Bitte, die bereits vorgemerkten Bewerber mögen ihre Lizenz nicht
annehmen, da dies unvorhersehbare Differenzen zwischen Österreich und der russischen
Besatzungsmacht sowie zwischen den Alliierten untereinander nach sich ziehen würde. OM Rath wird in
dieser heiklen Mission nach Kärnten geschickt und hat Erfolg: Mit einer einzigen Ausnahme hält man
sich an den Verzicht. Nur der Leiter der Gendarmerieschule Karawankenhof bei Klagenfurt, Franz
Kardasch, der schon als Angehöriger der Deutschen Abwehr in Wien unter D3HZF funkte, nimmt das
Rufzeichen MB9CA an.
1954: Der große Durchbruch zur Legalität
Nach dem Tod Stalins 1953 ändert sich das politische Klima. Die Amerikaner und Briten sind
bereit, Österreich mehr Verwaltungsrechte einzuräumen. Sogar die sowjetische Besatzungsmacht – so
das Gerücht - bestehe plötzlich nicht mehr rigoros auf die alleinige Fernmeldehoheit. Die
wirklichen Bremser sind die Franzosen. Wie kann man auch sie überzeugen? Ein überraschender
Anlass bietet sich 1953 bei der Gründungskonferenz der IARU, Region I,14.-17. Mai, in Lausanne,
Schweiz. Die österreichische Delegation setzt aus den OMs Habsburg, Heitler, Blaschek, Pless und
Waniek zusammen. Alle Interventionen bei den Freunden bewirken nur unverbindliche Zusagen. Durch
Zufall erfährt OM Waniek, dass Monsieur Mendoc, der Präsident des französischen Verbandes,
beruflich Generalleutnant und Chef des französischen Nachrichtendienstes ist. Waniek und Heitler
überreden Habsburg zu einem „diplomatischen Vorstoß“. Ein Termin im Luxushotel platzt; letzter
möglicher Treffpunkt ist am Bahnhof in Lausanne. OM Waniek erinnert sich:
"Ich sehe heute noch die Bahnhofshalle vor mir. Wir fünf Armutschkerln und er, ein fescher,
eleganter Mann. Wir haben ihm unser Anliegen vorgetragen, dann hat er uns angeschaut und hat jedem
einzelnen von uns in die Hand versprochen, dass er alles machen wird, was nur möglich ist."
(Dazu ist anzumerken, dass weder im offiziellen Tagungsprotokoll noch im Bericht in der OEM OM
Habsburg als Teilnehmer aufscheint. Als Vertreter des REF wird genannt: Marcel Compaignon de
Marchéville F8NH.)
Prompt kommt bei der ersten Kontrollratssitzung im Herbst das Plazet. Es fehlen nur noch die
gesetzlichen Besti
mmungen. Die
"Studiensenderverordnung" von 1929 ist ja nicht mehr zeitgemäß. Dr. Emmerich Rath verbringt ein
hektisches Wochenende mit der Konzipierung eines Entwurfs, den die Behörde mit nur wenigen
Änderungen übernimmt. Als Grundlage dient die seit Monaten entwickelte "KW-Amateursendeverordnung"
KAV. Am 3. September 1953 trifft das lang erwartete Schreiben ein:
"(Wir) beehren uns, Ihnen mitzuteilen, daß durch die Aufhebung der der österreichischen Post-
und Telegraphenverwaltung auferlegten Kontrollbestimmungen auch die von Alliierter Seite
hinsichtlich des Amateurfunkwesens getroffenen Einschränkungen in Wegfall gekommen sind. Die
Errichtung und der Betrieb von Funksende- und Empfangsanlagen ist somit an die ausschließliche
Genehmigung der österreichischen Fernmeldebehörden gebunden. Die Ausarbeitung entsprechender
Richtlinien für die Erteilung von Sendegenehmigungen wurde von uns in die Wege geleitet."
Mit BGBL. 30/1954 wird am 13. Februar 1954 nach Ablauf der Einspruchsfrist der Alliierten die
"Verordnung über die Errichtung und den Betrieb von Amateurfunkstellen" vom 31. Dezember 1953
erlassen.
Am 23. April 1954 überreicht der Präsident der Wiener Post- und Telegraphendirektion, Hofrat
Dr. Grascher, die ersten Lizenzen der Zweiten Republik an Erwin Heitler OE1ER, Emmerich Rath OE3RE
und Norbert Piringer OE1NP und Willy Blaschek OE1WB. Am 24. April erhalten in Klagenfurt 9 OMs die
begehrte Lizenz, am 30. April in Graz 16 OMs, in Wien bis 25. Juni 1954 53 Amateure.
Aufstieg, Krise und Strukturwandel
Die nächsten eineinhalb Jahrzehnte führen den ÖVSV in eine so komplexe Situation, dass sie an
dieser Stelle nicht einmal in Stichworten ausreichend dargestellt werden kann. Die ausführliche
Analyse bleibt einer kommenden, detaillierten historischen Darstellung vorbehalten: der ÖVSV im
Paradigmenwechsel.
Zum einen kommt es zu einem ungeahnten Aufstieg des ÖVSV, der in einer Verzehnfachung der
Mitgliederzahl kumuliert. Zum anderen aber führt jede Etappe dieses Fortschritts zu einem
Fort-Schritt von den bisherigen Idealen und Werten, von dem, was eine Gemeinschaft mit
"ungeschriebenen Gesetzen" charakterisiert: Eigenbau ist keine Selbstverständlichkeit mehr; das
Geräteangebot wird immer größer; weltweit wird der Amateurfunk – wenngleich noch immer nur für eine
Minderheit – zu einem populären Hobby, das mehr und mehr professionalisiert wird. Zwar beleben neue
Betriebsarten den Amateurfunk – dem steht aber eine Parallelentwicklung neuer Medien und
Kommunikationsformen gegenüber. Die Aktivitäten verlagern sich in erfreulichem Maß in die
Bundesländer – somit: Die zentralistische, dank der Vorbildwirkung der Spitzenfunktionäre fast
"autoritäre" Verbandsstruktur wird aufgeweicht. Kurz: Der Aufschwung führt geradewegs in die
Krise.
Nach außen hin wird das zunächst nicht spürbar. So wie OM Erwin Heitler OE1ER "die Staffette
weitergibt", sobald er seine Aufgabe als erfüllt betrachtet, will sein Nachfolger nach 1955, Dr.
Emmerich Rath OE3RE, seine Funktion beenden, sobald die neue Struktur, legalisierte Tätigkeit, zur
Normalität geworden ist. Personelle Engpässe zwingen ihn, den schwer Behinderten, bis 1961
durchzuhalten; er setzt sein Wirken als LV in OE3 fort.
Indessen hat die "Ära der Vizepräsidenten" begonnen. Bei der Hauptversammlung am 14. Juni 1959
artikuliert Frank Friedel OE1FF das Murren einer "konstruktiven Opposition". Diese HV bringt
überhaupt den Wendepunkt. OM Blaschek ist – auch wegen Überlastung - schwer erkrankt, kann die Last
der Aufgaben nicht mehr tragen; der Rückstau an Unerledigtem wird beängstigend. Man hatte
Beschlüsse gefasst, die finanziell nicht bedeckt waren. OM Norbert Piringer OE1NP (ab 1962 wird
auch er Vizepräsident) gibt einen ungeschminkten Lagebericht. Als erste Konsequenz wird die
Kündigung des hauptamtlichen Sekretärs beschlossen. Dass OM Blaschek soeben das Pensionsalter
erreicht hat, ist nur eine kosmetische Beschönigung für einen Vorgang am Ende zahlreicher Intrigen.
Zu spät müssen auch die letzten Kritiker einräumen, dass der Klubsekretär – unbeschadet der
aufopferungsvollen Tätigkeit der Funktionäre - als einzige kontinuierliche Stütze dafür gesorgt
hatte, dass der Verband nicht wie ein „Kaiser ohne Kleider“ da steht. Jetzt ist immer und überall
Not am Mann, haben jene, die die üblichen Forderungen stellen, kein Gegenüber mehr, das sie
erfüllt. OM Blaschek betreut bis zu seinem Tod (1964) die QSL-Vermittlung, zuletzt zunehmend
unterstützt von seiner Gattin Anna. Dr. Friedrich Stoffel OE1SFA wird "Klubmanager" und in dieser
Funktion, nach seiner Wahl zum Präsidenten, 1976 von Karl Bugner OE1BKW abgelöst.
Die finanzielle Krise bringt zunächst für die OEM 1976 das Aus. Ing. Hans Krejci OE8KI springt
in die Bresche: Die Landesstelle Kärnten stiftet ein Jahr lang ein Mitteilungsblatt "CQ-OE". Es
wird ab Juni 1961 im Buchdruck hergestellt. Mittlerweile ist Hans Pfannhauser OE3NH ÖVSV-Präsident.
Als Bankfachmann konsolidiert er die Finanzen, aber das eigene Bulletin kann man sich nach wie vor
nicht leisten. Die „CQ-OE“ wird nach Vorstandsbeschlüssen vom 8. Juni und 16. September 1962
eingestellt. Felix Körner DL1CU produziert von 1963 bis 1966 vier Jahrgänge der "OEM", wobei aber
nur wenige Seiten vom ÖVSV stammen; den Kern bildet die „DL-QTC“. Nach vier Jahrgängen beendet
DL1CU als Folge einer Intrige und interner Querelen seine Mitarbeit. Erst 1976 wird es wieder
gelingen, dem ÖVSV eine zentrale Publikation zu schaffen, die "qsp".
Intrigen, Querelen, Missverständnisse werden zum dominierenden Element der "Zusammenarbeit" der
Zentralstelle mit den Ländern. Immer mehr Mitglieder gibt es in der "Provinz", immer schlechter
fühlen sie sich – zu Recht oder zu Unrecht – bei gemeinsamen Entscheidungen eingebunden. Ein
Beschluss der Hauptversammlung, demzufolge der Landesstellenleiter für alle Mitglieder
stimmberechtigt sei, führt zu Kontroversen und leitet die Auflösung der bisherigen Strukturen ein.
Es taucht die Frage auf, welche vereinsrechtliche Position die Landesstellen haben; einige Länder
drohen mit der "Unabhängigkeit". Kulminationspunkt ist die Hauptversammlung am 19. März 1961 in
Wien: Die neun Landesstellen werden sich als unabhängige Vereine neu konstituieren; die Sektion
Bundesheer (AMRS) tritt als zehnte Gruppierung einem neu zu schaffenden Dachverband bei, dessen
Aufgaben klar beschränkt und definiert sind: Koordination nach innen, Repräsentation nach außen.
Zur Hauptversammlung 1962 in Langenlois ist dieser Prozess der grundlegenden Wandlung weitgehend
abgeschlossen – formell jedoch erst mit Bescheid des BM für Inneres vom 3. April 1968: Mit Zl.
84903-22/768 werden die neuen Statuten des Dachverbandes genehmigt.
AMRS – der Zehnte im Bunde
Am 30. Juni 1960 entläßt Belgien seine Kolonie Belgisch Kongo in die Unabhängigkeit. Im nunmehr
selbständigen Staat Kongo – sechs Mal so groß wie Frankreich, 80 Millionen Einwohner – fehlt
es an jeglicher Infrastruktur. Da die kongolesischen Unabhängigkeitsbewegungen rivalisieren, ist
ein Konflikt vorprogrammiert. In der Folge kommt es zu einem der ersten großen UNO-Einsätze.
Österreich und dessen noch recht junges Bundesheer beteiligen sich an dieser internationalen
Friedenstruppe mit der Entsendung und Betreuung eines Feldspitals. Es ist kaum errichtet, wird das
ganze Kontingent für mehrere Tage in Geiselhaft genommen. Da es an Kommunikationseinrichtungen
jeder Art fehlt, sind die Österreicher während dieser Zeit von der Aussenwelt abgeschnitten. Ein
solcher Vorfall darf sich nicht wiederholen! Bei den Beratungen stößt man auf den damaligen
Kommandanten der FliegerTelAbteilung, Oberst Müller Milborn. Dieser Offizier – und begeisterter
Funkamateur – kommt zum logischen Schluss, dass die erforderlichen Experten ja bereits vorhanden
sind: Funkamateure im Militärdienst, überall in Österreich. Der nächste sinnvolle Schritt ist, sie
"unter einen Hut zu bringen" – der "zehnte Landesverband" des ÖVSV ist geboren: die "Austrian
Military Radio Section" (AMRS).
In den Kasernen werden eigene AMRS-Ortsstellen eingerichtet und mit Amateurfunkgeräten
ausgestattet. In der Dienstzeit wird geübt – in der Freizeit kann dem Hobby nachgegangen
werden.
1973 kommt der erste größere Auslandseinsatz für die UNFICYP (United Nations Forces in Cyprus) –
/5B4. Hier bewährt sich erstmals auch der Kontakt zur Heimatfunkstelle. Es folgt der
Ausbatt-Undof-Einsatz auf dem Golan – /YK.
Im Jahre 1991 wird die AMRS alter Prägung aufgelöst und in Form eines ganz normalen, zivilen
Vereins bei der Vereinsbehörde wieder angemeldet – nur das Wort "Section" wird durch "Society"
ersetzt, das System der Ortsstellen den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
Die letzten vierzig Jahre
An dieser Stelle – und ohne Analyse der tief greifenden Folgen der Umgestaltung des ÖVSV – sei
die Chronik abgebrochen, um, ganz im Sinne der Föderalisierung, den Landesorganisationen und dem
Dachverband Raum für einen Leistungs- und Rechenschaftsbericht für den Zeitraum seit ihrer
"Unabhängigkeit" zu bieten.
Zeitraffer 1954-2000
Dezember 1954: Das neue Verbandsheim (ÖVSV und LV Wien) in Wien I, Naglergasse 11 wird
bezogen: in einem Neubau, von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt.
5. Juni 1955: Hauptversammlung: Emmerich Rath OE3RE wird neuer Präsident.
1956: Heftiger Kampf um die Freihaltung des 80m-Bandes von kommerziellen Stationen.
1956/57: Die ersten SSB-Stationen melden sich.
1. Juni 1957: Freigabe des 70cm-Bandes.
27. Oktober 1957: 3A5 (Schmalbandfernsehen SSTV) unter 300MHz zugelassen (BMZl.
38869-33/1975)
November 1957: Herausgabe des SOS-Kinderdorf-Diploms.
1958: Hauptversammlung erstmals in einem Bundesland (Klagenfurt).
1959: Einführung des AOEC-Contests und des WAOE-Diploms.
14. Juni 1959: Hauptversammlung in Wien.
22. Mai 1960: Hauptversammlung in Salzburg.
19. März 1961: Hauptversammlung in Wien: Aufnahme der Sektion Bundesheer (AMRS).
1962: Hauptversammlung in Langenlois.
1962: Ende der zweistelligen Rufzeichen. Der neue dritte Buchstabe im Suffix weist auf die
jeweilige Post- und Telegraphendirektion hin.
1962/63: Novellierung der Amateurfunk-Verordnung. Von nun an Lizenzen für den UKW-Bereich
über 144MHz ohne Morsekenntnisse. (BGBl. 326/1962)
1963: Hauptversammlung in Gmunden.
1964: Die Oberste Fernmeldebehörde gibt drei Teilbereiche im 160m-Band frei.
31. Mai 1964: Hauptversammlung in Graz.
29./30. Mai 1965: Hauptversammlung in Innsbruck.
22. Mai 1966: Festveranstaltung „40 Jahre ÖVSV“, Hauptversammlung in Wien (Altes Rathaus).
28.-31. Mai 1970: Hauptversammlung in Salzburg.
05. Juli 1972: Mit BGBl. 267/1972 wird die Amateurfunk-Verordnung wird auf Gesetzesstufe
gestellt.
1976: Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des ÖVSV dürfen österreichische Funkamateure dem
Rufzeichen OE50/ voranstellen.
15. April-15. Juni 1980: Anlässlich der 25. Wiederkehr der Unterzeichnung des Staatsvertrags
am 15. Mai 1955 dürfen österreichische Funkamateure dem Rufzeichen OE25/ voranstellen.
4. Juni 1983: Jahreshauptversammlung in OE9.
August 1983: Einführung der Austrian District Locator ADL
1986: Neuregelungen bzw. Erweiterungen betreffend Mailboxsysteme, Packet Radio etc.
November 1986: Der Dachverband übersiedelt nach Wien 18, Theresiengasse 11.
2.-10. Oktober 1991: AREMIR-Projekt (Bake OE0MIR) – Franz Viehböck als österreichischer
Kosmonaut an Bord der MIR
26. November 1998: Amateurfunkgesetz 1998 - AFG
1. März 1999: Amateurfunkverordnung 1999 – AFV und Amateurfunkgebührenverordnung 1999 – AFGV
2000: Anlässlich des Milleniums dürfen österreichische Funkamateure ihrem Rufzeichen /2000
nachstellen.
1980 - 2000
(von OE3REB)
Es hätte 1979 fast ideal begonnen - mit OE3HOW, OM Helmut HOSCHEK als neugewähltem Präsidenten,
ein Funkamateur aus ganzer Seele, bekannt weit über Österreichs Grenzen hinaus, eine stattliche
Führungspersönlichkeit und Integrationsfigur. Ihm zur Seite OE5TKL, Klaus TIEDE als 1.
Vizepräsident mit langer Erfahrung als ÖVSV-Funktionär und schließlich OE3REB, Dr.Ronald
EISENWAGNER als 2. Vizepräsident, damals auch schon länger als AMRS-Leiter im DV tätig. Wir drei
hatten uns die Arbeit aufgeteilt - Helmut als "der" Repräsentant des ÖVSV im In- und Ausland, Klaus
als Finanzfachmann und Primus unter den Landesleitern und schließlich ich als "Innenminister und
Kanzleileiter".
Schade, dass Helmut plötzlich völlig unerwartet verstarb und der ÖVSV ohne Präsident dastand.
Für ein paar Monate war die Weiterführung des Verbandes kein Problem - aber dann musste eine
Neuwahl durchgeführt werden, und ich erinnere mich noch sehr gut an die Vorbereitungen dafür, denn
der „innere Kreis“ hatte so seine Vorstellungen. Ich war für viele zu jung, vielleicht auch für
einige unangenehm direkt und zu frech. Es gab den Plan, den damals überaus regen und nicht nur in
Wien sehr populären OM Gottfried, OE1GPW als Präsident vorzuschlagen. Gottfried hatte exzellente
Verbindungen, einen unerschöpflichen Humor und war wirtschaftlich in jeder Weise unabhängig, also
jemand, der den Verband repräsentieren und sich das auch locker leisten konnte.
Das alles liegt weit zurück und ich habe schon oft darüber nachgedacht - warum wurde Gottfried
dann doch nicht gewählt? Ich weiß ganz sicher, dass Gottfried alle seine Möglichkeiten für den ÖVSV
eingesetzt hätte, aber er war für die Mehrzahl der 10 wahlberechtigten Landesleiter wahrscheinlich
zu perfekt, zu unabhängig, zu wenig "gängelbar". Seinen gelegentlich auch sehr kritisch werdenden
Humor hat nicht jeder vertragen, und die Leichtigkeit, mit der er bis dahin scheinbar unlösbare
Probleme zu lösen beabsichtigte, hat viele geschreckt, sogar misstrauisch gemacht. Ich kannte sehr
gut die vielen Vorzüge von OE1GPW und war sicher, dass wir zusammen gute Arbeit für den ÖVSV
leisten würden.
Es kam anders und seither - jetzt wird’s kompliziert - bin ich Präsident des ÖVSV, müssen Sie
mich als Präsident ertragen, hat sich kein Besserer gefunden ..... jeder von Ihnen hat da seine
eigene Meinung dazu.
Ich hatte von Anfang an sehr klare Vorstellungen und Pläne und SIE haben mich dabei in den
letzten 20 Jahren unterstützt, durch Ihre Hilfe, Ihre Zustimmung und auch Ihre positive Kritik. Für
die leider zu erwartenden "Fouls“ brachte ich die nötige dicke Haut berufsbedingt mit ("wer Angst
vor zuviel Erfolg im Leben hat wird am besten Meteorologe..."). Mehrere Ziele hatte ich mir damals
gesetzt und ich habe mich bis heute von dieser Linie nicht abbringen lassen: Ende der oft endlosen
Streitereien im Dachverband (das hat leider einige unangenehme personelle Maßnahmen erfordert), so
rasch als möglich eine Anpassung der fernmelderechtlichen Bestimmungen an den realen
Amateurfunkalltag mit dem Fernziel eines neuen Amateurfunkgesetzes mit klarer Trennung zwischen
grundsätzlichen Regelungen und den raschlebigen technischen und betrieblichen Bestimmungen, ein
möglichst optimales Service für unsere Mitglieder, sowie klar durchschaubare Verwaltungsstrukturen
und finanzielle Gebarung. Und über diesem sehr anspruchsvollen Programm stand und steht weiterhin
der unerschütterliche Glaube an den HAM SPIRIT, den Ehrenkodex der Funkamateure, der so wichtig und
grundlegend ist, wie das ohmsche Gesetz in der Funktechnik. Bei der Realisierung dieses Programmes
haben mich alle Landesleiter und damit Ihre direkten Vertreter unterstützt, einige vielleicht mehr,
andere anfangs mit etwas Zurückhaltung - aber keiner hat dagegengearbeitet! Das waren und sind
optimale Voraussetzungen für eine Vereinsarbeit, auch wenn mir die ÖVSV-interne Hierarchie manchmal
ganz schön auf die Nerven ging (geht), wenn vieles scheinbar unendlich lang gedauert hat (als
Meteorologe im operationellen Dienst waren 5 Tage meine oberste Zeitgrenze, alles andere war viel
zu lang .... ).
Die Arbeit im ÖVSV-Dachverband war in den letzten 20 Jahren eine Teamarbeit, bei der für Sie als
Mitglieder nur die erzielten sichtbaren Ergebnisse zählen. Wer wann welche Idee gehabt hat, wer was
tatsächlich gemacht und wer es dann gut verkauft hat, ist wahrscheinlich für die meisten von Ihnen
uninteressant. Nur so kann man auch erklären, wieso für viele von Ihnen das Dachverbandsteam etwas
scheinbar völlig Fremdes ist - "die da oben ......" und als Maß aller Dinge nur die Höhe des
Dachverbandsbeitrages zählt. So ist es eben!
Von den 20 Jahren waren fast 15 durch ein Wechselspiel zwischen dem ÖVSV und der Obersten
Fernmeldebehörde gekennzeichnet, eine juridische Gratwanderung" zwischen unseren Wünschen und dem
legistisch Machbaren. Es war dabei nicht primär mein Verdienst, sondern ein Riesenglück, dass ich
lange Zeit dienstlich auch mit Fernmeldefragen befasst war und so oft an dienstliche Besprechungen
bei der OFMB - das eine oder andere gerade aktuelle Amateurfunkproblem "anhängen" konnte. Und das
zweite Glück war, dass unsere Gesprächspartner bei der OFMB ausgesprochen zuvorkommende und
verständnisvolle Menschen waren. MinRat Dr. BAYER und RegRat Ing. STEINER sind schon in Pension,
aber der damals schon in technischen und betrieblichen Fragen als "der" Fachmann tätige Helmut
BUCHER (früher im FZA, dann im Frequenzbüro) und der Leiter des technischen Dienstes bei der OFMB,
MinRat Dipl-lng. LETTNER sind ja noch - Gott sei Dank - im Amte und daher mache ich mir, was die
OFMB betrifft, um den Amateurfunk in Österreich keine Sorgen!
Die langjährige „Überbrückungshilfe“ in Form von Probebetrieben, erlassmäßigen Regelungen und
auch - DANKE dafür - gelegentlich einfachem Augen-Zudrücken (richtiger wäre "Ohren-Zuhalten", hi)
hat schließlich doch noch zu dem lange ersehnten neuen Amateurfunkgesetz und der
Amateurfunkverordnung geführt. Ich war immer ein wenig stolz darauf, wenn unsere Nachbarn
(besonders der DARC) gefragt haben "Mensch Ron, wie macht ihr das?" und auch nach dem AFG/der AFV
kamen aus dem Ausland mehr Komplimente, als aus unseren Reihen. Vielleicht kann man Österreich und
die Österreicher nur dann wirklich in der vollen spektralen Breite von Gut bis Bös verstehen,
wenn man selbst Österreicher ist! (Dr. Sigmund Freud war nachweislich kein Funkamateur ...)
Die letzten 20 Jahre haben wahrscheinlich auch den Höhepunkt in unserer Mitgliederzahl gebracht,
jetzt geht’s langsam abwärts, aber nicht besorgniserregend. In den letzten 20 Jahren wurde alles im
Verband geregelt, was nur regelbar war/ist, von den ADLs bis zu den Kontesten (17 Jahre hat es von
der Idee bis zur ersten Teilnahme einer Staatsfunkstelle am AOEC gedauert - aber wir waren weltweit
trotzdem die ersten!), von der internen EDV und Mitgliederverwaltung bis zur Präsentation des ÖVSV
im lnternet, vom Funkhandbuch (dessen Grundidee sich durch das Internet auch langsam überholt hat)
bis zur raschen Abwicklung von Diplomanträgen. Vielleicht bin ich schon sehr betriebsblind geworden
und zu wenig selbstkritisch - es scheint alles zu funktionieren und viel mehr ist nicht erreichbar.
Und ein paar ldeen habe ich wegen der geringen Erfolgsaussichten "begraben". Die aufmerksamen Leser
der QSP, die Vereinsinsider und viele meiner Funkfreunde werden jetzt schmunzeln, sie wissen, was
ich da so gemeint habe.
Sind wir als Funkamateure in den letzten 20 Jahren besser geworden? In vielen Details sicher,
aber als "Spezies" gab’s einige Enttäuschungen (=Folgen von Selbsttäuschung). So war die Nutzung
des weltweit einmaligen Sonderrufzeichens OEM nur dürftig und auch für das seit drei Monaten
verfügbare OE75-Call schaut es eher traurig aus, und die am WOE75-Diplom Interessierten werden sich
gehörig plagen müssen ..... wahrscheinlich warten alle auf das OE100-Call, hi.
Wir sind in den letzten 20 Jahren zweimal umgezogen - von der Naglergasse in die
Theresiengasse und nun in die Eisvogelgasse. Das war auch ein "selbstinduzierter Umweg" (mit
zugehörigen Kosten), aber rückblickend war das eben der Wunsch der 10 Landesverbände und vielleicht
sogar im Endeffekt der richtige Weg. Darüber wird man in der Jubiläumsausgabe "100 Jahre ÖVSV" der
QSP urteilen.
Die letzten 20 Jahre waren von meiner Warte aus gute Jahre für den ÖVSV als Verein, aber auch
als größten Amateurfunk-Clan in Österreich und die vielen Kleinstvereine und „selbständigen“
Funkamateure haben von unserer Arbeit nur profitiert - niemand hat etwas in diesem Hobby hergeben
müssen.
Ich bedanke mich bei Ihnen für diese 20 Jahre, denn Sie haben mir durch Ihr Vertrauen und
Ihre Freundschaft viel Freude geschenkt und an Sorgen und Ärger will ich mich nicht mehr erinnern.
Ein Kompliment und ein DANKE an die Mitglieder des DV-Teams und ich bin arrogant genug zu sagen
"meines Teams" , so wie ich immer "Euer Präsident" sein wollte, und zwar mit allen
Konsequenzen.
Angenehm oder unangenehm, nur kurz oder länger im DV mitarbeitend, erfolgreich oder leider
schnell enttäuscht, von meinem liebenswerten "Bodyguard" Ulf, OE3ALW (er war nicht mein
Leibwächter, sondern Klubmanager ... ) bis zu Karl, OE1BKW (war er nicht doch Gründungsmitglied??),
von Fritz, OE1FQS (wir haben uns ihm wahrsten Sinne des Wortes zu guten Freunden "zusammengerauft")
bis zum einfach für mich nicht wegzudenkenden "Gespann" Hertha, OE1YBW und Oskar, OE3OBW (dem ÖVSV
würde ohne die Arbeit der beiden heute vieles fehlen) - ein Orchester mit unterschiedlichsten
Talenten und Instrumenten, liebevoll leise wie Flöten (OE1VKW) und doch für das Klangbild wichtig,
donnernd wie die große Pauke (an wen ich da wohl jetzt denken muss?) - IHR habt die Musik gemacht
und wie ein artiger Dirigent verneige ich mich vor Ihnen, liebes Mitglieder-Publikum, den Applaus
für die letzten 20 Jahre dankbar entgegennehmend und Pfiffe (hoffentlich sind’s nicht zu viele)
großzügig überhörend. in dem Orchester ist IMMER Platz, selbst wenn Ihr Instrument nur ein Kamm ist
- wichtig ist, dass Sie für den ÖVSV mitspielen wollen. Hab’ ich richtig gehört?
Nein - Gage gab’s nie dafür, aber Sie können unbezahlbare Freundschaften finden, das schöne
Gefühl erleben, ein bisschen mehr als nur Funkamateur zu sein und wenn Sie Angst vor zu viel Erfolg
im Leben haben, werden Sie entweder Meteorologe oder stellen Sie sich für den Job des Präsidenten
des ÖVSV zur Wahl.
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